Tragen Sie sich hier für den Newsletter des Fördervereins ein.
Neuigkeiten
Kategorie1
2. Poetry Slam 2008
Schon zum zweiten mal in Jahr 2008 traten die hoffnungsfrohe Nachwuchspoeten des HSG an, um Ihr Können unter Beweis zu stellen. Der Förderverein hat wieder die Preise gestiftet, so dass sich die Sieger über einen Buchgutschein freuen konnten. Nachfolgend der Bericht des Jury- und Vereinsmitglieds Reinhold Ziegler zu der gelungenen Veranstaltung. Der Förderverein gratuliert allen Teilnehmeren und den glücklichen Gewinnern.
Rap, Klamauk und Poesie
Literatur genießt bei Jugendlichen nicht unbedingt ein hohes Ansehen, Poesie schon gar nicht. Assoziieren sie doch mit Literatur und vor allem Gedichten meist etwas, was auf jeden Fall und überhaupt meilenweit vom angestrebten Ideal des coolen Typen entfernt ist.
Umso erstaunlicher, dass dem Ruf von Deutschlehrer und Poeten Karl-Heinz Schreiber zum dritten Poetry Slam am Hanns-Seidel-Gymnasium rund 200 jugendliche Zuhörer ins Bibliotheks- und Informationszentrum des Landkreises in Hösbach folgten. Poetry Slam, in freundlicher Übersetzung so etwas wie Dichterwettstreit, wörtlich eher (dem Publikum) hingehauene Poesie, erfreut sich offensichtlich auch bei den Schülern zunehmender Beliebtheit, spielt doch das Publikum eine wesentliche Rolle, nämlich die der Jury. Und so mag den einen oder anderen nicht unbedingt die vorgetragene Literatur zur Veranstaltung gelockt haben, sondern eher die Chance, dem Kumpel per Votum zu Dichterehren zu verhelfen.
Fünfzehn Kandidaten der Klassenstufen 6 bis 12 trugen schließlich im überfüllten Obergeschoss der „Bibi“ ihre Texte vor. Moderiert und im Zaum gehalten wurde das ganze vom bewährten Aschaffenburger Poetry-Spezialisten Peter „Lucky“ Kraft.
Die Beiträge bewegten sich im Spannungsdreieck zwischen Literatur, Mutprobe und Klamauk. Aber so sehr man auch über die literarische Qualität der meisten Werke diskutieren könnte, allein der Mut, sich vor 200 Schulkameraden hinzustellen und seinen eigenen Text zu rezitieren, ist bewundernswert. Und neben allen Arten von Literatur- und Leseförderung, die seit dem PISA-Schock die deutschen Schüler überrollt, ist ein solcher Poetry Slam sicher mit am besten dazu geeignet zu zeigen, dass Text und Mensch zusammengehören, dass hinter Geschichten und Büchern Personen und Persönlichkeiten stehen, und nicht eine Maschinerie, die anonyme Konsum-Produkte ausspeit, wie man es von Shows, Soaps und Serien ansonsten gewöhnt ist. Überraschend, dass die Jungs, die ja, was Lesen und Literatur betrifft, immer hinter den Mädchen zurückbleiben, in dieser Veranstaltung eindeutig die dominierende Rolle spielten. Von den 15 Teilnehmer war es nur ein einziges Mädchen, das sich mit ihren Texten aufs Podium traute, und auch im Publikum war die weibliche Seite deutlich unterrepräsentiert. Ist es der Wettkampfgedanke, der Mädchen zurückschrecken lässt?
Sieger, und damit Gewinner eines der drei vom Förderverein des HSG gestifteten Buchpreise, war schließlich der 9-Klässler Justus Fischer, der mit einem durchaus talentierten und literarischen Vortrag die Publikumsjury für sich einnehmen konnte. Überraschungszweiter der 6(!)-Klässler Niklas Kuhn. Er hatte zur Veranstaltung zwei Rap-Gesänge mitgebracht, da wächst ganz offensichtlich Nachwuchs für die rege Aschaffenburger Musikszene heran.
Auf Platz drei schließlich landete der Oberstufler Alex Rung, dessen Dschungel-Geräusch-Kulisse eher, wie er selber zugab, in die Klamauk-Ecke gehörte. Aber auch das muss ein Poetry Slam aushalten, will er doch die hohe Literatur gerade aus ihrer staubtrockenen Ecke der hehren Kunst herauslocken.
Reinhold Ziegler


